Hallo Olaf,
Olaf Jenkner schrieb:
... Vor Jahren gab es eine Festveranstaltung zum 80. von Helmut König, den alle Mathefans
im Raum Chemnitz verehren, denn er war jahrzehntelang Förderer des Mathenachwuchses...
Die Festrede hielt der damalige Stadtkämmerer Beppo Brehm, der stolz verkündete,
daß er in der Schule von Mathe keinen blassen Schimmer hatte, aber das ist ja auch
nicht wichtig, aus ihm ist ja was geworden...
solche Situationen kennt wohl jeder, der Mathe liebt.
Meist ist man aber nicht darauf vorbereitet und deshalb
nicht schlagfertig genug, direkt Gegenrede oder eine
Frage zu formulieren. (Eine Frage könnte z.B. sein: Was
ist denn bei Ihnen konkret schief gelaufen?)
Es kann ja ganz verschiedene Gründe geben, warum für einen
Schüler die Schulmathematik eine Katastrophe ist:
* ein schlechter Mathelehrer (davon gibt es leider zu viele). Manche
wollten eigentlich Diplom-Mathematiker werden, quälten sich 3 - 5 Jahre,
ehe sie einsahen, dass es nicht reicht. Und dann wechseln sie, um die
Jahre nicht ganz als verloren rechnen zu müssen, ins Mathe-Lehramt
und quälen später Generationen von Schülern mit ihrem runtergeschluckten
Frust. Es gibt auch Lehrer, die sich gar nicht in die Probleme von Schülern
reinversetzen können.
* ein großes Leistungsgefälle in der Klasse, und die Langsameren/
Schwächeren sind auch deshalb frustriert.
* ein trauriges Elternhaus, wo Mutter oder Vater den Nachwuchs
trösten: "Macht Euch nix aus Euren Matheproblemen. Auch ich war
in Mathe schlecht und es hat mir später nichts geschadet."
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Ein mutmachendes Beispiel ist für mich der Sänger Reinhard Mey.
In der Schule und im BWL-Studium nur Frust mit Mathe. Später
wollte er seinen Flugschein machen - und weil ihn die Sache interessierte,
funktionierte plötzlich auch das Begreifen der Trigonometrie.
In der Datenbank der promovierten Mathematiker habe
ich übrigens einen Mathe-Didaktiker Helmut König
gefunden, der 1960 an der Humboldt-Uni in Berlin
promoviert hatte und später zweifacher Doktorvater
in Chemnitz war. Das dürfte der von Dir benannte
sein:
https://www.mathgenealogy.org/id.php?id=58036EDIT: Ein sehr schönes Interview mit Helmut König findet sich
in einem Zeitungsartikel aus 2021:
https://www.chemnitz.de/de/unsere-stadt/stadtmarketing/die-stadt-bin-ich/macherderwoche/2021/dr_koenigViele Grüße, Ingo.
PS: Ich kenne übrigens nur einen Beppo Brehm. Der war
in den 1960ern ein Fernsteh-Star in Westdeutschland, auch
in einer Serie "Die seltsamen Methoden des Franz-Josef Wanninger".
Wir Kinder haben ihn geliebt.