Rainer Neuhäusler schrieb:
Frank Rahde (Mod.) schrieb:
Das sieht auf den ersten Blick recht hilfreich aus, um sich auf den Spielstil eines Gegners vorzubereiten, auf den zweiten Blick aber dann doch sehr allgemein. Wie soll ich das alles in einer konkreten Live-Partie erkennen und taktisch und positionell umsetzen?
ChessBase-Beispiel eines aus der Datenbank gefilterten Spielstils: "Starke Eröffnungen, gleicht gut aus, hält die Damen auf dem Brett, opfert sehr gerne, keine Angst vor unsicherem König, greift an, riskantes, scharfes Spiel, belagert Schwächen – aktives Figurenspiel mit Schwarz, stark mit Türmen, gut im technischen Endspiel." Ich versuche es mal auf der Ebene der Praxis:
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starke Eröffnungen: ja gut, dann versuche ich es wohl besser unorthodox. Aber ob das einen Vorteil bringt? Es scheint mir besser, ganz allgemein, selbst ein intensives Studium der Eröffnungstheorie zu betreiben.
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hält Damen auf dem Brett: da müsste ich dann praktisch eine Eröffnung wählen, eine Stellung provozieren, bei der es von Nachteil ist, die Dame zu behalten. Geht das und wer kann das? Partienmaterial dazu ?
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opfert sehr gerne: daraus leiten sich für mich keine prophylaktischen Möglichkeiten ab. Wer genauer rechnet, gewinnt.
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keine Angst vor unsicherem König: wie beim "Opfer", viel zu allgemein. Eine Schwäche, eine Stärke ? Das ist eine Sache der Partie und nicht der Vorbereitung.
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greift, an: soll bei jedem Schachspieler mitunter vorkommen

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riskantes, scharfes Spiel: dito, wer genauer rechnet gewinnt die Partie. Versuchshalber vielleicht mal gleich bei der Eröffnung "Giuoco Pianissimo" oder ähnliche "Friedensangebote" wählen. Oder aber auf die Fehler des anderen hoffen. Mal glückt das eine, mal das andere.
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belagert Schwächen: charakterisiert die positionelle Spielweise allgemein. Daraus lassen sich keine vorbereitenden Gegenmaßnahmen ableiten. Spezifiziert in keiner Weise, die meisten denken innerhalb einer Partie mal taktisch, mal positionell. Also weniger eine Charakterisierung des Gegners, sondern des Schachspiels überhaupt, wie in vielen anderen Fällen auch.
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aktives Figurenspiel mit Schwarz: Ja und?
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stark mit Türmen, gut im technischen Endspiel: da hilft grundsätzlich und unabhängig vom Gegner nur eines, Endspieltechnik trainieren!
Ebenfalls etwas überbewertet seitens ChessBase scheint mir die Erkenntnis: "Spannend ist, dass für alle Nicht-Super-GMs und Nicht-Computer gilt: Je schärfer die Stellung, desto höher die mittlere Fehlergröße. Dieser immer exakt lineare Zusammenhang ist ein Merkmal menschlicher Ungenauigkeit."
Im Grunde wieder eine Binsenweisheit. Solche "fundamentalen" Erkenntnisse finden wir auch in Volksweisheiten wie "wer sich in Gefahr begibt, komm darin um" oder überhaupt bei allen Vorgängen, die mit "je, desto" einer linearen Steigerung unterworfen ist.
Interessanter als solche statistischen Spielereien wäre vielleicht die Erhebung bei Schachspielern aller Leistungsklassen, inwieweit ihnen das Partienstudium des Gegners etwas gebracht hat. Die unmittelbar anschließende Frage dann, "aus welchen Daten sie diese Erkenntnis gezogen haben". "Handlungsforschung", sozusagen, so kommt man oft besser an valide Erhebungsmerkmale.
Im übrigen, der hier charakterisierte Spielstil beschreibt das entsprechende ChessBase 18 Profil von Michail Tal. Nichts gegen eine solche Beschreibung, aber ich glaube nicht, dass dieser Befund seinen damaligen Gegnern weiter geholfen hätte bzw. etwas zu Tage förderte, was sie nicht schon wussten.
Fazit: die erhobenen Variablen des Spielstils und deren Operationalisierung mittels vorhandener Partiedaten sind für valide, in der Praxis gültige Ergebnisse, zu wenig spezifisch, um sich effizient auf einen Gegner vorzubereiten
oder einfacher:
Statistisch auswertbare Partiedaten und deren Bedeutung für die Wettkampfvorbereitung und Spielpraxis sind zwei Paar Stiefel.
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Danke.
Ich habe einiges davon gegoogelt und das hier gefunden:
https://www.schachfeld.de/threads/41184-chessbase-18/page2?p=687083#post687083Style
Score (Very High) 80% (wird schon stimmen laut MEGA 2024)
Theory (Very High) 105% (würde ich so bestätigen, er war schließlich damals einer der super Profis und auch Weltmeister)
Decided Games (High) 47% (verstehe ich nicht. Wie hängt Decided Games mit dem Score oben zusammen?)
Tenacity (Medium) 50% (Hartnäckigkeit/Beharrlichkeit, wäre nur gut zu wissen, ob es sich hierbei um Tal in der Verteidigung hält oder um Tal im Angriff oder beides zusammen?)
Aggressiveness (Very High) 148% (würde ich so bestätigen, er war schließlich dafür bekannt)
Risk (Very High) 104% (würde ich so bestätigen, wer dermaßen Aggressiv spielt, ist auch risikofreudiger als der Durchschnitt.)
Positional Play (Very High) 94% (würde ich so bestätigen, er war schließlich damals einer der super Profis und auch Weltmeister)
Endgame Affinity (Medium) 40% (ich finde sein Endspielkönnen recht bescheiden. Für damalige Verhältnisse war es natürlich super.)
Was mich stört:
Wir wissen nicht wie extrem der Unterschied zwischen 50% und 100% und 150% ist.
Wir wissen nicht wo das Limit ist, Patricia Aggressiveness 300%? 500%?
Man muss das alles irgendwie ins Verhältnis setzen können zu sich selbst und anderen Spielern.
Angenommen dein Gegner ist ein normaler Vereinsspieler und 80 Jahre alt und seine Gegner waren meisten auch 80 Jahre alt, dann wird er ein für mich offensichtliches altes eher schwaches Schachniveau haben. Wenn du jetzt ein Vereinsspieler bis mit Anfang 20 (mit Hardware + Software + Bücher usw. aufgewachsen) und du spielst durchschnittlich gegen Anfang 20-jährige dann siehst du Schach mit anderen Augen. Jetzt gibt es das Problem das ihr schachlich, selbst wenn ihr genau die gleichen Werte hättet wie in der Tabelle oben, ihr offensichtlich komplett unterschiedlich spielen würdet. Seine Werte wären also gegen einen Gegner wie dich komplett anders als angenommen und deine Werte gegen ihn wären auch komplett anders. Wie wollt ihr euch so auf den Gegner vorbereiten???
Außerdem wissen wir nicht ob ChessBase die Werte anhand deiner Gegner, der gespielten Züge und der Ergebnisse zuordnet oder ob auch die Züge von komplett anderen Menschen und deren Ergebnisse in ihren Partien auf die Züge und die Statistik zu deinen Werten Einfluss haben.
Zusätzlich machen mir (High) 47% und (Medium) 50% Sorgen, BUG? Eigentlich müssten entweder die Zahlen oder die beiden Wörter getauscht werden. Es könnte natürlich sein das Decided Games 47% ein hoher Wert ist im Vergleich zu den meisten Spielern Weltweit.
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Zurück zu deinem Text.
Ich kann dir jetzt schon sagen: Je höher deine Spielstärke, desto einfacher die Umsetzung. Beispiel: Wer den Unterschied zwischen einem weißfeldrigen Läufer und einem schwarzfeldrigen Läufer nicht kennt, der wird Probleme haben schwache Felder auszunutzen. Von daher bringt dir die Information "Gegner hat oft schwache Felder" nicht viel, solange du nicht das nötige Wissen hast.
-starke Eröffnungen: ja gut, dann versuche ich es wohl besser unorthodox. Aber ob das einen Vorteil bringt? Es scheint mir besser, ganz allgemein, selbst ein intensives Studium der Eröffnungstheorie zu betreiben.
Wir wissen nicht wie viele Begriffe ChessBase verwendet (schwach, durchschnittlich, stark... oder noch weitere).
Davon ausgehend das "stark" das beste ist: Starke Eröffnungen = Gegner ist vom Spielstil her ggf. ein Theoretiker. Der hat die Eröffnungstheorie quasi auswendig gelernt. = Versuche gute Züge zu spielen und nicht zu patzen und zwar solange bis ihr nicht mehr in der Eröffnungsphase seit, sonst bis du sofort KO.
-hält Damen auf dem Brett: da müsste ich dann praktisch eine Eröffnung wählen, eine Stellung provozieren, bei der es von Nachteil ist, die Dame zu behalten. Geht das und wer kann das? Partienmaterial dazu ?
Bedeutet: Er tauscht Damen nicht ab. Somit ist deine Dame auch auf dem Brett und es ist unwahrscheinlich das du sie gegen mehrere Figuren tauschen wirst, so oft kommt das nicht vor. Jetzt müsstest du wissen ob er nie Damen tauscht oder nur nicht in der Eröffnungsphase oder in der Mittelspielphase oder nur im Endspiel oder nur in 2 von 3 Phasen.
Gleichzeitig sagt dir die Info das du mit deiner Dame seine Dame angreifen könntest und er höchstwahrscheinlich den Abtausch vermeiden wird = und er somit unbewusst in Stellung XY einen schlechteren Zug spielt.
Oder er spielt mit seiner Damen einen Angriff auf deinen König und deine Dame gleichzeitig und geht davon aus das du die Dame dazwischen ziehen wirst, unterbewusst, weil er denkt das die Damen super wichtig sind und du das ganz bestimmt genauso siehst. Aber du tauscht die Damen ab, weil du im Gegensatz zu ihm an einer Taktik gerechnet hast und gemerkt hast das dies funktioniert.
Außerdem kann ich mir z.B. in seinen Partien anschauen wie gut sein Umgang mit den Damen ist. Wenn ich merken würde, dass er mit der Dame deutlich besser umgehen kann als ich mit meiner Dame, dann würde ich die Damen möglichst früh tauschen wollen.
-opfert sehr gerne: daraus leiten sich für mich keine prophylaktischen Möglichkeiten ab. Wer genauer rechnet, gewinnt.
Das bedeutet, dass er besonders stark auf Züge achtet wie Lxh7, Lxg7 usw. und das er auch teilweise stärker aus dem Bauchgefühl heraus Opfer spielen wird. Von daher ist es von Vorteil wenn man sich mental auf gewisse Explosionen am Brett (TCEC Sound) vorbereitet und gegen einen Gegner mit Opfert = 150%, deutlich mehr potentielle Opferzüge im Voraus durchrechnet. Vergleich dein Verhalten zu einem anderen Gegner mit Opfert = 25%.
-keine Angst vor unsicherem König: wie beim "Opfer", viel zu allgemein. Eine Schwäche, eine Stärke ? Das ist eine Sache der Partie und nicht der Vorbereitung.
Das hört sich an wie: Er vernachlässig die Rochade, er rochiert zu spät, er rochiert je nach Partie gar nicht, seine Bauernstruktur nach der Rochade sieht vor dem König aus wie Schweizer Käse, sein König steht irgendwo mittig auf dem Brett obwohl die gegnerische Dame und andere Figuren im Spiel sind usw.
-greift, an: soll bei jedem Schachspieler mitunter vorkommen
Fritz 19, Stier, Charaktertyp: Angreifer (den habe ich übrigens auf der Stufe Großmeister platt gemacht).
Ist auf jeden Fall kein Fritz 19, Maus, Charaktertyp: Passivspieler. (den habe ich übrigens auch auf der Stufe Großmeister platt gemacht)
Je nachdem gegen wen ich antrete, kann ich mich komplett unterschiedlich auf die Gegner einstellen und vorbereiten.
Viele Fragen lassen sich selbst beantworten, wenn man die ChessBase Produkte nur verwenden würde
-riskantes, scharfes Spiel: dito, wer genauer rechnet gewinnt die Partie. Versuchshalber vielleicht mal gleich bei der Eröffnung "Giuoco Pianissimo" oder ähnliche "Friedensangebote" wählen. Oder aber auf die Fehler des anderen hoffen. Mal glückt das eine, mal das andere.
Falsch, wenn dir kein riskantes, scharfes Spiel liegt, was deine Statistik aussagt und bei ihm das Gegenteil der Fall ist, zumal er das ständig auf dem Brett hat und somit die nötige Erfahrung hat, dann solltest du Züge und Eröffnungen vermeiden die zu scharfem Spiel führen können. Du machst ja auch keine Bauernvorgabe am Anfang der Partie.
Entgegengesetzte Rochaden.
Er fängt an dort anzugreifen wo er will, auch wenn du ihn zuerst und woanders angreifen hast.
Bevorzugt taktische Stellungen.
Dürfte eher ein Aktivspieler oder Pragmatiker sein.
-belagert Schwächen: charakterisiert die positionelle Spielweise allgemein. Daraus lassen sich keine vorbereitenden Gegenmaßnahmen ableiten. Spezifiziert in keiner Weise, die meisten denken innerhalb einer Partie mal taktisch, mal positionell. Also weniger eine Charakterisierung des Gegners, sondern des Schachspiels überhaupt, wie in vielen anderen Fällen auch.
Naja es könnte auch eine taktische Schwäche sein, ich hatte letztens eine Stellung auf dem Brett die mehr oder weniger forciert war bei sehr gutem Spiel beider Seiten und wo überraschend der gegnerische Turm gefesselt wurde. Ich habe ihn mit 4 Figuren angegriffen Läufer, Turm, Turm, Dame und der Gegner konnte nur 3 mal decken und der Turm stand mitten auf dem Brett im kleinen Zentrum. Ich habe den schwachen Turm ganz schön belagert.
Wobei es sich bei ChessBase meistens um positionelle Schwächen handeln dürfte.
Er ist darin geübt Felderschwächen, Vorpostenfelder, schwache Linien, Reihen und diagonalen usw. zu belagern und auszunutzen.
Du wirst sehen wie hoch sein Positional Play ist z.B. 94%.
Dies dürfte der Durchschnittliche Wert aller positioneller Faktoren sein.
Wenn bei ihm "belagert Schwächen" hervorgehoben ist, dann heißt das, dass er dies besonders gut kann, somit ist diese Fähigkeit bei im wahrscheinlich deutlich über 100%. Wenn du deutlich schwächer bis im Positional Play, dann solltest du scharfe Stellungen mit Gegenspiel anstreben, sonst siehst du nur zu wie er dich langsam auf einem Flügel positionell ausspielt und dann anfängt das gleiche am anderen Flügel zu machen.
-aktives Figurenspiel mit Schwarz: Ja und?
= kein aktives Figurenspiel mit Weiß
= verhält sich eher neutral als Weißer mit den eigenen Figuren und das sollte dir eigentlich ausreichend Zeit geben um deine Figuren auf gute Felder zu bringen.
Außerdem weißt du das er die Partie mit Schwarz auskämpfen wird und nicht versuchen wird deinen Anzugsvorteil langsam zu neutralisieren um sich mit einem Remis abzufinden.
-stark mit Türmen, gut im technischen Endspiel: da hilft grundsätzlich und unabhängig vom Gegner nur eines, Endspieltechnik trainieren!
Wenn du in ein ausgeglichenes Endspiel gehst, wo er deutlich stärker mit den Türmen ist als du, dann wirst du wahrscheinlich verlieren.
Mache es so wie viele GMs von früher und biete zum Ende des Mittelspiels Remis an.
Wobei du hier eigentlich 2 Punkte in einen zusammengepackt hast.
-stark mit Türmen kann auch schon seit Beginn des Mittelspiels der Fall sein. Von daher solltest du nach Möglichkeit seine Türme abtauschen oder entsprechend neutralisieren.
-gut im technischen Endspiel ja was bedeutet gut für ChessBase?
Ihr kennt ja die Auflistung von vielen GUIs: Anfänger, Fortgeschrittener, Vereinsspieler, starker Vereinsspieler, Meisterkandidat, Meister, Großmeister usw.
Bedauerlicherweise sind deine Punkte "Einige der Beobachtungen bei Tal" und wenn ich da lese "gut im technischen Endspiel" und in der Statistik sehe ich (Medium) 40%, da läuft es mir eiskalt den Rücken runter.
In Schulnoten:
6 Schwach/Anfänger = bis 20%
5 Fortgeschritten = bis 40%
4 Durchschnittlich = bis 60%
3 Überdurchschnittlich = bis 80%
2 Gut = bis 100%
1 Sehr gut (Magnus Carlsen) = bis 150%
Technische Endspiele beziehen sich auf die wichtigsten Endspielstellungen die man können sollte. (Hauptsächlich für Profis)
Praktische Endspiele sind Endspiele die eher bei normalen Schachspielern vorkommen. Z.B. entstehen diese oft aus Harakiri Stellungen heraus.
Die Binsenweisheit kennt noch längst nicht jeder.
Ich kann diese aber ebenfalls bestätigen.
-Statistisch auswertbare Partiedaten und deren Bedeutung für die Wettkampfvorbereitung und Spielpraxis sind zwei Paar Stiefel.
ChessBase 18 ist das Programm für Profis und diese können mit den Daten definitiv etwas anfangen.
Ich kann euch jetzt schon sagen dass die Remisquote steigen wird.