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- - By Lothar Jung Date 2021-10-12 13:44
Hier ein Spiegel-Artikel dazu:

https://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/maenner-als-problem-im-schach-das-spiel-der-sexisten-17575520.html

Sehr bedauerlich!

Lothar
Parent - - By Volker Pittlik Date 2021-10-12 14:01
Das Problem ist nicht auf Schach beschränkt. Zwar weiss ich persönlich nichts von strafrechtlich relevanten Vorfällen, aber sexuelle Anmache gibt es auch in allen anderen Sportarten die ich kenne. Von der Arbeitswelt ganz zu schweigen.
Parent - - By Walter Eigenmann Date 2021-10-12 14:33
Volker Pittlik schrieb:
Das Problem ist nicht auf Schach beschränkt. Zwar weiss ich persönlich nichts von strafrechtlich relevanten Vorfällen, aber sexuelle Anmache gibt es auch in allen anderen Sportarten die ich kenne. Von der Arbeitswelt ganz zu schweigen.

Ja, natürlich. Aber es ist ein erhebliches Image-Problem. Schach: Das Königliche Spiel? Der Kampf des Geistes unter grossen Geistern? Die Sublimierung des Krieges mithilfe von 64 Feldern? Das wissenschaftliche AI-Projekt als Human-Programmier-Erfolg? Das weltumspannende Kulturphänomen von geistesgeschichtlicher Bedeutung? Das hohe geistige Gut, verwoben mit allen Künsten und Wissenschaften? Und dann der Grossmeister, der junge Schachspielerinnen vergewaltigt. Und all die grabschenden Schachtrainer - da klafft die Lücke zwischen Schein und Sein noch schmerzlicher als anderswo ...
Parent - By dkappe Date 2021-10-12 16:18 Upvotes 1
Mann darf auch nicht „Fat Titz von Stockfish“ vergessen. Sehr geschmackvoll.
Parent - - By Benno Hartwig Date 2021-10-14 06:29

> Die Sublimierung des Krieges mithilfe von 64 Feldern?


Immer wieder liest man mal so einen Satz.
Aber soo besonders viel Ähnlichkeit zwischen Krieg und Schach kann ich gar nicht entdecken.
Parent - By Peter Martan Date 2021-10-14 07:33 Edited 2021-10-14 08:04
So einen Satz wie den von Walter von der Sublimierung habe ich eigentlich noch nicht sehr oft gelesen.
Wenn ein Dichter seine Triebenergie in Poesie umsetzt, besteht eigentlich auch nicht viel Ähnlichkeit, wie du sie vermutest oder eben nicht vermutest, zwischen dem Einen und dem Anderen.
Irgendwie wäre das ja gerade der Witz bei der Sache, so wie sie sich halt der alte Freud, auf den der Begriff zurück geht, in seiner Bedeutung vorgestellt hat.

Und er passt zu dem ansonsten einfach traurigen Thema insofern nicht schlecht, finde ich, als da eben gerade diese Sublimierung nach Freud auch beim Schach zeitweise nicht so recht zu funktionieren scheint. Wieso sie das allerdings gerade hier sollte, wenn's halt eine dieser "typischen" Männerdomänen ist, weiß ich auch nicht

Edit: wenn du einfach den Vergleich zwischen Schach und Krieg (wie er früher mal, als Schach entstand, geführt wurde) meinst, wie würdest du die Figuren am Brett sehen, wenn nicht als Teile einer kriegerischen Auseinandersetzung? Der Springer ist ein lustiges Hottehüh, das nicht geradeaus laufen mag, und der Ritter (Knight), der auf ihm sitzt, ist halt ein schlechter Reiter, der Läufer (oder Bischof) rennt aus sportlichem Ehrgeiz halt nur so rum, soweit ihn seine Beinchen auf der Farbe seiner Felder tragen, die Türme sind mobile Kommunikationsplattformen, der König ist ein typischer Monarch heutiger Prägung, der nur kleine Schritte machen und sich von der Dame beschützen lassen darf, diese ist halt eine Matriarchin und ansonsten auch nur dazu da, irgendwann abgetauscht zu werden oder den König, der nicht ihre Farbe hat, in Schach zu halten oder Matt zu setzen, und die Bauern opfern sich am liebsten freiwillig, weil sie so zu Damen werden, und endlich zu Beweglichkeit und Ansehen kommen auf die Art?
Parent - By Walter Eigenmann Date 2021-10-14 09:28 Edited 2021-10-14 09:33 Upvotes 2
Benno Hartwig schrieb:
Immer wieder liest man mal so einen Satz.Aber soo besonders viel Ähnlichkeit zwischen Krieg und Schach kann ich gar nicht entdecken.

Es ist natürlich eine überhöhende Metapher, die gesellschaftshistorische, kulturgeschichtliche und psychologische Gründe hat.
Und sobald man "Krieg" durch "Aggression" ersetzt, wird mein Satz noch plausibler.

Schach war ja immer schon nicht einfach nur ein Spiel, oder nur Sport, oder nur Wissenschaft; Schach als hochgeistige Auseinandersetzung
war spätestens seit Goethes "Probierstein des Gehirns" ein Stellvertreter für eine Vielfalt von Aspekten.

Der Nimbus dieses Spiels ist wirklich singulär - und übrigens auch in den modernen Gesellschaften omnipräsent: Man denke nur an die zahllosen Spielfilme,
die mit Schach rein gar nichts zu tun haben, in denen das Spiel aber in irgend einer marginalen Einstellung präsent ist. Ein Liste dieser Filme wäre endlos.

Polithistorisch: Du kannst Stefan Zweigs "Schachnovelle" hernehmen, die mitten im 2. Weltkrieg als Aufstand gegen den Despotismus geschrieben wurde -
und von einer weltweiten Leserschaft auch so verstanden wurde.
Oder an das WM-Duell Fischer-Spasski, das den Kalten Krieg nicht auf dem Schlachtfeld, sondern (eben sublimiert) auf dem Schachbrett führte.
Um mal nur zwei Sachen herauszuklauben. Schon der alltägliche Sprachgebrauch weist darauf hin: "Geschickte Schachzüge" sind nicht nur in der Politik gang und gäbe.

Kulturgeschichtlich: Bezüglich der Herkunft des Schachs wird, wenn man den militärgeschichtlichen Ursprung des Schachs bzw. die Namensgebung seiner Figuren untersucht,
die Assoziation Schach&Krieg augenfällig. Zu erwähnen sind z.B. aus dem Sanskrit der "Gajah" (Kriegselefant), der "Ratha" (Streitwagen) oder der "Padati" (Fußsoldat).
Über die militärstrategischen Ursprünge des Schachs sind ja ganze Bibliotheken geschrieben worden.

Individualpsychologisch: Dazu hat Peter Martan schon Stichworte genannt. Aber wir müssen's gar nicht freudianisch angehen, sondern einfach die alltägliche Beobachtung hernehmen:
Ich kenne viele Leute, die können überall verlieren: Im Kartenspiel, im Sport, im zwischenmenschlichen Streit, einfach überall. Aber nicht im Schach! (Weshalb sie das Spiel dann
früher oder später an den Nagel hängen. Es ist eine zu unterträgliche Verletzung des eigenen Narzissmus...)
Denn der Verlust einer Schachpartie wird mit intellektueller Unterlegenheit gleichgesetzt, und diese wiederum mit der eigenen geistigen Zurückgebliebenheit - das schmerzt.
Die tiefere Ursache dafür vermuten die Psychologen darin, dass ich - im Gegensatz zu den zufälligen Widrigkeiten des Alltags - im Schach (das ja streng kausal ist)
niemand anderen für das Versagen, sondern nur mich verantwortlich machen kann.

Es gibt noch weitere Dimensionen des Spiels, die aber m.E. schier ins Esoterische abgleiten; z.B. die (durchaus von einigen ernsthaften Schachpsychologen vorgetrage) Hypothese,
dass beim Schachspielen sexuelle Komplexe sowie männliche Allmachtsphantasien sublimiert werden (Fine, Munzert, u.a.)
Übrigens darf man die Frauen, wenn's um das Thema "Schach und Sex" geht, nicht komplett rausnehmen (um wieder den Schwenk zum Thread-Titel zu schaffen) -
Guckst du hier: https://www.welt.de/vermischtes/article942664/Schach-ist-wie-das-Liebesspiel.html

Gruss: Walter

.
Parent - By Walter Eigenmann Date 2021-10-12 16:55 Upvotes 1
Das war nicht der SPIEGEL. Ausserdem hat die FAZ ihren Artikel mittlerweile in den Status "Kriegst-du-nicht-gratis!" gehievt...
Aber das Web-Archiv hat ihn trotzdem knapp vorher noch "gerettet"
https://web.archive.org/web/20211012120745/https://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/maenner-als-problem-im-schach-das-spiel-der-sexisten-17575520.html?printPagedArticle=true

.
Parent - By Andreas Mader Date 2021-10-12 17:58 Upvotes 2
Und wie üblich bei diesem Thema sind sofort "die Männer" allgemein ein Problem. Trifft man solche Verallgemeinerungen bei anderen Gruppen von Menschen (zum Beispiel bei Ausländern), ist ein Shitstorm gewiss.
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