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Up Topic Hauptforen / CSS-Forum / Vor 73 Jahren - David Bronstein befragt eure aktuellen Programme
- - By Christian Bartsch Date 2026-08-30 15:46 Upvotes 2
Als ich Freitag im Net recherchierte, was das beste Schachbuch aller Zeiten sei, stieß ich auf folgenden Eintrag

https://www.chess.com/de/article/view/die-besten-schachbucher-aller-zeiten

Viele der Meister antworteten auf die Frage mit David Bronstein "Kandidatenturnier Zürich 1953"

Ich holte es aus meiner Bibliothek und las dann im Vorwort zur 3. Auflage (1991) folgende Zeilen von ihm:

"...Heute frage ich mich selbst, ob meine damaligen Darlegungen der strategischen Iden gerechtfertigt waren, inwieweit sich die Prognosen über die Entwicklung der Schachkunst bewahrheitet, die technischen Kampfverfahren verändert und ob sich nicht Fehler bei der Kommentierung der einzelnen Partien eingeschlichen haben...All dies nimmt mir als Autor jedoch nicht die Verantwortung gegenüber der neuen Generation von Liebhabern der Schachkunst ab, erhöht sie vielmehr erst. Was die modernen Großmeister anbelangt, fassen durchaus nicht alle eine Schachpartie als ein Kunstwerk auf, das zwei der Klasse nach gleichen Spieler in einem schöpferischen Zweikampf schaffen. Man sollte auch nicht denken, daß sich die praktische Spielstärke der heutigen Spitzenspieler im Vergleich zu ihren Vorgängern bedeutend erhöht hat....Professionelle Bestrebungen haben rasch zugenommen; in der schachlichen Weltanschauung vieler heutiger Großmeister herrscht der Pragmatismus in konkreten Formen vor: Rating, Punkte, Dollar...."

Die erste Runde fand vor genau 73 Jahren statt, am 30.August und eine Partie aus dem legendären Buch möchte ich euch präsentieren.

Der schwedische Großmeister Gideon Stahlberg (1908-1967), den die meisten sicher heute kaum noch kennen führte die weißen Steine und mit den schwarzen Steinen spielt Issaak Boleslawski (1919-1977), vielleicht etwas bekannter, vor allem durch seine Bücher. Obwohl er ein ähnlich trauriger Schachritter wie Paul Keres war. Denn er war nur knapp mit 6,5-7,5 gegen seinen Schwiegersohn David Bronstein (1924-2006) unterlegen und verlor die Chance auf den WM-Kampf 1951 mit Botvinnik. In Zürich war Issaak nicht sehr erfolgreich, weil er bei aller theoretischen Vorbereitung die ebenfalls wichtige Physis zu stark vernachlässigte. In der ersten Runde zeigte er sich aber noch sehr kampfstark.

Exemplarisch werde ich den Kommentar zu dieser Partie von David Bronstein hier übertragen


Nach 12. Dc2

In den dreißiger und vierziger Jahren wandten in sowjetischen Turnieren die Königsindische Eröffnung nur die wenigen Schachspieler an, welche die passiven und von der Theorie erforschten Varianten des Damengambits vermeiden wollten. Im Ausland dagegen spielte fast niemand die Eröffnung. Im Match-Turnier um die Weltmeisterschaft im Jahre 1948 kam die Königsindische Eröffnung nur in zwei von fünfzig Partien vor. Jetzt im Züricher Turnier ging jeder dritte der Partien in die Königsindische Eröffnung über, wobei die ausländischen Schachmeister seltener zu ihr griffen als die sowjetischen. Die Diagrammstellung ist in der Theorie gut bekannt, der Textzug stellt eine der neuesten Verstärkungen dar. Weiß will den Läufer nach e3 entwickeln und vorher den Bauern e4 verteidigen! Allerdings bleibt zeitweilig der Springer d4 ungedeckt, Schwarz könnte mittels 12. ...Sfxe4 13. Sxe4 Lxd4 einen Zentrumsbauern gewinnen, aber nun wäre Weiß am Zuge, und er beherrschte das Schlüsselfeld f6: 14. Lg5 Dd7 15. Sf6+ Lxf6 16. Lxf6 mit Abtausch des schwarzfeldrigen Läufers. Ohne ihn verlieren alle  königsindischen Strukturen ihren Sinn, und der Mehrbauer bringt der schwarzen Stellung keine Erleichterung. Gelegentliche Versuche. das Gegenteil zu beweisen, endeten  mit einem Fiasko für Schwarz. Deshalb läßt sich niemand mehr von dem Bauern e4 verführen.


Nach 14. Sfd7

Die Königsindische Verteidigung ist dafür charakteristisch, daß ein spannender Kampf gleichzeitig an beiden Bretthälften geführt wird. Das in der vorliegenden Partie angewandte Systemsichert dem Anziehenden bedeutenden Raumgewinn nicht nur im Zentrum. Beim Leser darf dabei nicht der falsche Eindruck entstehen, daß Weiß nur noch vor der Aufgabe steht, den beträchtlichen räumlichen Vorteil in einen materiellen zu verwandeln. Das ist keine leichte Sache, denn das Geheimnis der Lebensfähigkeit der königsindischen Strukturen beruht darin, daß Schwarz trotz des Raumverlustes einige kaum bemerkbare aber gewichtige Details für sich verbuchen kann. Dies sind vor allem die weitreichenden Läufer und der ausgezeichnet postierte Springer auf c5. Auch die Bauern dürfen nicht vergessen werden. Der "schwache" d6 wartet auch nur darauf, irgendwann nach d5 vorzustoßen. Eine wichtige Rolle kommt ebenfalls dem a-Bauern zu, der durch die Drohung nach a3 vorzustoßen, immer bereit ist, die Pläne des Gegners an diesem Brettabschnitt zu stören und Weiß zu zwingen, der Verteidigung der Punkte c3 und c4 Aufmerksamkeit zu widmen. Wenn 12. Dc2 die neueste theoretische Verstärkung des Spiels von Weiß war, so kann man dasselbe auch von dem Zug von Schwarz 14. ...Sfd7 sagen. Früher spielte man 14. ...Da5, aber nach 15. Lf4 ließ es sich nicht vermeiden , den Läufer g7 oder den Turm e8 in eine schlechtere Position zu bringen. Jetzt kann man jedoch mit dem Zug Se5 decken.


Nach 18. a3

Stahlberg hat beschlossen, sich ein für allemal gegen den Bauernvorstoß nach a3 zu schützen. dadurch wird die Verteidigung des Feldes b3 durch den Bauern zwar aufgegeben, aber dafür festigt die ganze Kräftegruppierung von Weiß am Damenflügel die Position des Bauern b2. Das weitere Partiestadium-etwa bis zum 30. Zug- ist Filigranarbeit hochklassiger Schachmeister: geschickte Manöver beider Seiten, Sondieren der schwachen Punkte, Vorbereitung der Vorstöße e4-e5 von Weiß und d6-d5 oder f7-f5 von Schwarz sowie der beidseitige Widerstand gegen mögliche Durchbrüche.


Nach 23. ...Tde7

Die folgenden zwei Züge der Kontrahenten sind nicht ganz gewöhnlich: Schwarz beabsichtigt ein Maximum an Schlägen gegen den Bauern e4, Weiß bemüht sich , ihn durch die Drohung abzulenken, auf d6 zu schlagen. Für diesen Plan ist charakteristisch, daß der Stolz der weißen Stellung- der zentralisierte Springer d4-keinen besseren Platz für sich findet als sein Ausgangsfeld g1, da er auf einem anderen Platz das Zusammenwirken der Figuren erschweren würde. Hier scheint es an der Zeit, das Geheimnis um den Bauern d6 in der Königsindischen Verteidigung zu lüften. Dieser Bauer, obwohl er sich auf einer offenen Linie befindet und ständig angriffsanfällig ist, stellt dennoch eine harte Nuss dar. Ihm lässt sich nicht so leicht beikommen. Es schien am einfachsten, mit dem Springer von d4 abzuziehen, aber man darf nicht übersehen, daß der Springer für Weiß auf d4 äußerst notwendig ist, seine Aufgabe- die Felder b5,c6,e6,f5 zu kontrollieren und den Läufer g7 zu neutralisieren. Nur wenn Weiß Zeit findet, sich auf mögliche Angriffe des Gegners ( a4-a3, Lc8-e6, f7-f5 ) vorzubereiten, darf der Springer das Zentrum verlassen, aber indessen kann auch Schwarz seine Kampfeinheiten umstellen. So gesehen, erweist sich der Bauer d6 keineswegs als schwach, denn gerade wegen dieser ewigen Schwäche galt die Königsindische Verteidigung lange Zeit als zweitrangig. Die modernen Methoden der Eröffnungsbehandlung erfordern ein konkretes Herangehen an tatsächliche und besonders scheinbare Schwächen.


Nach 24. Sg1

Nach vier Züge ist der Springer wieder in seine Ausgangsstellung zurückgekehrt, um den Bauern e4 zu helfen, die Mittellinie zu überschreiten. Es bestand die Möglichkeit, sogleich den Bauern vorzuziehen, dadurch ginge aber die Kontrolle über den Punkt f5 verloren, und der schwarze Läufer würde sich unverzüglich dorthin begeben. Nach 24. e5 Lf5 müsste sich Weiß für ein Damenopfer entschließen, indem er den Springer f6 mit dem Bauern nimmt. Das führte zum Gewinn, während 24. ...dxe5 Schwarz ein ausgezeichnetes Spiel gäbe. Weiß könnte jetzt den Bauern a4 schlagen, müsste aber dafür einen zu hohen Preis zahlen und den schwarzfeldrigen Läufer geben, ohne den er keinen völlig gleichwertigen Kampf führen kann. Mit seinem 24. Zug lädt Boleslawski den weißen Turm ein, den seit langem anvisierten Bauern zu beseitigen, aber nach 25. ...Sb6 wird sich der schwarze Springer auf c4 einnisten. Stahlberg trifft wahrscheinlich die richtige Entscheidung und tauscht vor dem Einschlag auf d6 die schwarzfeldrigen Läufer.


Nach 28. Le6

Obgleich sich die äußeren Konturen der Stellung nicht verändert haben, fehlen die Läufer c1 und f8 sowie die Bauern c4 und d6. Das Fehlen der schwarzfeldrigen Läufer zwingt beide Kontrahenten, entsprechende Korrekturen in den strategischen Plänen vorzunehmen. So muss zum Beispiel Schwarz in erster Linie daran denken, wie er sich auf der großen Diagonale sowie gegen ein mögliches Vorgehen des weißen Bauern nach f6 und der Dame nach h6 sichern soll. In Anbetracht einer solchen ernsten Gefahr ist der letzte Zug von Boleslawski sehr gut, denn der Läufer bereitet sich auf Aktionen auf der Diagonalen a2-g8 vor, und der Bauer geht nach f6, um seinen König gegen einen Angriff auf der großen Zugstrasse zu decken. Der Läufer wird dann die Stelle des Bauern einnehmen. Weiß wiederum wird, koste es, was es wolle, alles daransetzen, um eine Bresche in die neue Verteidigungsline zu schlagen. Diese Aufgabe muss er um jeden Preis lösen-andernfalls geht die Initiative an den Gegner über. dann können die bei einem Angriff unbemerkbaren Schwächen in der Aufstellung von Weiß ( das  Feld b3, das  fehlen der Bauernkontrolle über die Felder d3,e3, f3, die passive Rolle des Läufers g2 ) zu Voraussetzungen für verschiedenartige Kombinationen werden.


Nach 31. e5

Ein Opfer im Geiste Stahlbergs, des geschickten Taktikers und Meisters in der Angriffsführung gegen den König. Der Punkt e5 darf nicht in der Hand von Weiß bleiben- den Bauern muss Schwarz beseitigen, aber dabei fällt der Bauer f6, wird die f-Linie geöffnet, und der schwarze König befindet sich in einer gefährlichen Lage.


Nach 35. ... Tf5

Ungeachtet der starken Zeitnot weicht Boleslawski im riskanten Kampf dem sicheren Remis aus, das er durch den akkuraten Rückzug 35....Dc7, um sich gegen die beiden Drohungen 36. Dxf7 und 36. Df6+ zu verteidigen, erzwingen konnte. Die Hoffnung, den Mehrbauern bei der offenen Königsstellung auszunutzen ist trügerisch. Selbst wenn es Schwarz gelänge, den Angriff abzuwehren, fände Weiß ganz bestimmt ein ewiges Schach.


Nach 36. Dd4+

Eine Teilaufgabe wurde gelöst: Die Dame hat die große Diagonale erobert.


Nach 38. De5

Den nächsten zwei Zügen nach zu urteilen, liegt es sehr nahe. daß Schwarz diesen einfachen Zug übersehen hat. Jetzt wird seine Stellung bedenklich.


Nach 38. ...Db6

Die Fesselung des Springers muss der Nachziehende unverzüglich beseitigen. Es drohte nicht so sehr 39. Dxf5 eher 39. g4, und falls 39. ...fxg4 so 40. Se4. Durch den rechtzeitigen Übergange der Dame  nach b6 gelingt es Schwarz, die Hauptgefahr zu bannen. Unrühmlich könnte der Versuch enden, den Bauern f5 mit dem Zug 38. ...Lg6 zu halten, weil Weiß außer 39. g4 ein neues Fesselungsmotiv ausnutzt un den König in ein Mattnetz treibt: 39. Lf1 Db6 40. Lc4+ Kf8 41. Df6+ Ke8 42. Sd5. Auf eine solche Variante darf man sich in Zeitnot nicht einlassen. Jetzt stellt Weiß das materielle Gleichgewicht wieder her, während die Stellung des schwarzen Königs nach wie vor gefährdet ist.


Nach 40. ... Nd3

Durch diesen Zug wird  der Gegner daran erinnert, daß auch in seinem Lager Angriffspunkte vorhanden sind. Die schwarze Dame steht bereit, auf b3 zu schlagen oder, wenn sich die Umstände als günstig erweisen, nach f2 vorzudringen mit der Drohung Sd3-e1.


Nach 41. ... Kg7?

Dieser Zug wurde auf das Formular geschrieben und im Umschlag verwahrt, den der Kampfrichter erhielt. Stahlberg konnte natürlich nicht wissen, welcher Zug abgegeben wurde, und musste alle möglichen Antworten von Schwarz analysieren - in erster Linie 41. ..Lf7.


Nach 42. De7+

Bei Wiederaufnahme der Partie hate Boleslawski mit der Möglichkeit 42. ...Dxb2 gerechnet, aber  angenommen, daß Weiß nach 42....Dxb2 nicht mehr als ewiges Schach hat. Der starke Textzug verändert die Situation wesentlich. Nach g8 darf der König nicht, weil sogleich 43. Sd5 folgt. Also muss der Läufer das Schach abdecken, doch dann erhält der Springer die Möglichkeit, über e4 nach d6 zu galoppieren. Deshalb war anstelle von  41. ...Kg7 als Abgabezug 41. ...Lf7 vorzuziehen. Weiß konnte dann ewiges Schacherklären oder mittels 42. Dg4+ den Bauern a4 gewinnen, aber das Vordringen der schwarzen Dame nach f2 kompensierte den Verlust völlig. Ein Remisausgang wäre am wahrscheinlichsten. Übrigens endet auch jetzt die Partie remis, jedoch nach neuen Abenteuern.


Nach 45. Se8+

Durchaus nicht alle offensichtlichen, selbstverständlichen Züge sind richtig...


Endstellung Remis

Remis auf Vorschlag Stahlbergs. Der Versuch , die Partie mit der ein Damenopfer einschließenden Mattkombination 49. h4 h6 50. Dxc5 Dxc5 51. Le4+ beenden zu wollen, scheitert an dem Zug 49. ...Se6. Auch im 48. Zug würde h4 nicht gewinnen. Schwarz antwortete 48. ...h6 und nach 49. De4+ Kxh5 50. Kh3 ( mit der scheinbar unwiderlegbaren Mattdrohung g3-g4 ) beseitigte der plötzliche Gegenschlag 50. ...Sf4+ die Gefahr. Im 45. Zug h3-h4 ( anstelle von Se8+ ) führt jedoch zum Sieg.

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Was sind denn nun die Fragen an Stockfish und Co?
Wer aufmerksam gelesen hat, der ahnt meine Gedanken. Führt das Damenopfer in der Variante nach 24. e5 Lf5 25. exf6 wirklich zum Sieg?
Ist das Schlagen des e4 Bauern im 12. Zug tatsächlich ein Verlustzug? Nicht falsch verstehen, ich sehe wohl die ~ 2 Bauerneinheiten Vorteil, aber bis zum Sieg kann es noch ein weiter Weg sein, besonders wenn man David Bronstein genau zuhört und mit den Analyseausgaben von Stockfish und Co vergleicht.

Ich habe im Multivariantenmodus folgende Ausgaben erhalten

12. ... a4 0,57
12. ... Sfd7 0,50
12. ... Le6 0,48 

Tiefe 44

oder

23. Sf3 0,65
23. Dd2 0,50
23. Kh1 und 23. g4 0,45

Tiefe 44

einen Zug später

24. Dd2 0,93
24. Sh4 0,22
24. Sd2 0,11
24. Lc5 0,04
24. Sg1 0,00

Tiefe 44

Auf die Variante 24. e5 gab mir das Programm

24. ...dxe5 0,00
24. ...Lf5 0,43

Tiefe 44

Das erwähnte Damenopfer sieht Stockfish 18 nicht zum Ziel führend und bevorzugt - allerdings kaum wahrnehmbar - nach 24. e5 Lf5:

25. Dd2 0,03
25. exf6 0,00

leider aus Zeitgründen nur auf Tiefe 41 gemessen.

Es sind genau diese Varianten mit ihrer Bewertung, die mich mit mehr Fragen als Antworten zurücklassen. Ob z.B. die Programme langfristige konkrete Pläne verfolgen oder sie in der aktuellen Stellung stets neu bewerten und einfach den besten Zug spielen ohne ein umfassendes Verständnis der Struktur zu besitzen.

Diese kleine, fast vergessene Partie mit ihren tollen Kommentaren zeigt mir auf, das ein menschlicher Meister zum Erklären für Vereinsspieler immer noch seine Daseinsberechtigung hat.

Deshalb empfehle ich den Leser meines Beitrages auch in seine Bibliothek ein altes vergilbtes Buch zu suchen und mit dem Autor und seiner Lieblingsengine einen schönen Abend am Brett/Monitor zu genießen. Ich werde jetzt zurück nach Zürich reisen und Runde 2 genießen.

Abschließend die Partie mit den angesprochenen Varianten und angedeuteten Korrekturen/ Weiterführungen durch Stockfish.

[Event "Candidates Tournament"]
[Site "Zuerich"]
[Date "1953.08.30"]
[Round "1"]
[White "Stahlberg, Gideon"]
[Black "Boleslavsky, Isaak"]
[Result "1/2-1/2"]
[ECO "E69"]
[WhiteFideId "-1"]
[BlackFideId "-1"]
[PlyCount "96"]
[GameId "2235863511655151"]
[EventDate "1953.08.30"]
[EventType "tourn"]
[EventRounds "30"]
[EventCountry "SUI"]
[SourceTitle "Candidates"]
[Source "ChessBase"]
[SourceDate "1999.07.01"]
[SourceVersion "2"]
[SourceVersionDate "1999.07.01"]
[SourceQuality "1"]

1. d4 Nf6 2. c4 g6 3. g3 Bg7 4. Bg2 O-O 5. Nc3 d6 6. Nf3 Nbd7 7. O-O e5 8. e4 Re8 9. h3 exd4 10. Nxd4 Nc5 11. Re1 a5 12. Qc2 a4 (12... Nfxe4 13. Nxe4 Bxd4 14. Bg5 Qd7 15. Nf6+ Bxf6 16. Bxf6) 13. Be3 c6 14. Rad1 Nfd7 (14... Qa5 15. f4 Be6) 15. f4 Qa5 16. Bf2 Nb6 17. Bf1 Bd7 18. a3 Rad8 19. Kh2 Bc8 20. Na2 Nbd7 21. Bg2 Nf6 22. Nc3 Rd7 23. Nf3 Rde7 24. Ng1 (24. e5 Bf5 (24... dxe5 25. Rxe5 Rxe5 26. Nxe5) 25. exf6 Bxc2 (25... Rxe1 26. Rxe1 Bxc2 27. Rxe8+ Bf8 28. Nd4) 26. Rxe7 Rd8 27. fxg7 Bxd1 28. Nxd1 Qa8 29. Re2) (24. Qd2 Rd7 25. Bxc5 Qxc5 26. Nxa4 Qa7 27. Nc3) 24... Nfd7 25. Bd4 Nb6 26. Bxg7 Kxg7 27. Rxd6 Nxc4 28. Rdd1 Be6 29. Qf2 f6 30. Nf3 Bf7 31. e5 fxe5 32. Nxe5 Nxe5 33. Rxe5 Rxe5 34. fxe5 Rxe5 35. Rf1 Rf5 36. Qd4+ Kg8 37. Rxf5 gxf5 38. Qe5 Qb6 (38... Bg6 39. Bf1 Qb6 40. Bc4+ Kf8 41. Qf6+ Ke8 42. Nd5 Qd8) 39. Qxf5 Bg6 40. Qe5 Nd3 41. Qe6+ Kg7 42. Qe7+ Bf7 43. Ne4 Qxb2 44. Nd6 Qf2 45. Ne8+ (45. h4) 45... Kg8 46. Nf6+ Kg7 47. Nh5+ Kg6 48. g4 (48. h4 h6 49. g4 Kh7 50. Nf6+ Kg6) 48... Nc5 1/2-1/2
Parent - By Kurt Utzinger Date 2026-08-30 17:57 Upvotes 1
Christian Bartsch schrieb:

Als ich Freitag im Net recherchierte, was das beste Schachbuch aller Zeiten sei, stieß ich auf folgenden Eintrag

<a class='ura' href='https://www.chess.com/de/article/view/die-besten-schachbucher-aller-zeiten'>https://www.chess.com/de/article/view/die-besten-schachbucher-aller-zeiten</a>


Hallo Christian

Ein wunderschönes Buch. Dazu meint ChatGPT zu einer Frage von mir:

Nein – wenn du mit „Kommentare“ die schachlichen Partieanalysen meinst, stammen diese tatsächlich von David Bronstein. Das Buch wird auch ausdrücklich als Bronsteins Turnierbuch geführt; es enthält alle 210 Partien, davon knapp die Hälfte ausführlich kommentiert.

Es gibt allerdings eine interessante Einschränkung bei den erzählerischen Texten:

    David Bronstein schrieb die Schachanalysen und Kommentierungen der Partien.
    Nach späteren Darstellungen stammte die Idee zum Buch von seinem Mentor Boris Wainstein (Vainshtein), der auch den erzählerischen Teil des Buches verfasst haben soll. Bronstein soll sich auf die Analysen konzentriert haben.
    Das erklärt möglicherweise, warum das Buch trotz Bronsteins alleiniger Nennung als Autor stilistisch unterschiedliche Ebenen hat: persönliche Turnierschilderungen einerseits, sehr detaillierte Schachanalysen andererseits.

Interessant ist außerdem: Nicht alle 210 Partien sind ausführlich kommentiert – ungefähr die Hälfte erhält eine ausführliche Analyse.

Beste Grüsse
Kurt
Parent - By Volker Pittlik Date 2026-08-30 19:58 Upvotes 1
Ich werde mit das Buch kaufen. Zur Zeit studiere ich alte WM-Partien und es macht mit riesig Freude den gleichen Zug wie XY zu finden, gerade wenn SF 18 etwas anderes empfiehlt (auch wenn dies leider nicht allzu häufig passiert). Analysen von Meistern sind viel wertvoller und lehrreicher als irgendeine Variante, die eine Engine vorschlägt.

Zum konkreten Buch heisst es im Reklametext eines hiesigen Buchhändlers:

Zitat:
Beschreibung

Um die seinerzeitige Bedeutung des Kandidatenturniers Zürich 1953 heutzutage annähernd nachvollziehen zu können, empfiehlt sich ein kleines Gedankenspiel. Die 15 teilnehmenden Grossmeister machten damals ziemlich genau die Hälfte aller Grossmeister überhaupt aus. Um dieses Zahlenverhältnis in unserer Zeit zu erreichen, müssten etwa 750 GM (!) an den Start gehen.

Darüber hinaus war ein Drittel der Teilnehmer sogar von einem ganz besonderen Kaliber: ein ehemaliger und zwei angehende Weltmeister – sowie zwei Spieler aus der Liste der so genannten 'ewigen Zweiten'. Einer von diesen, der denkbar knappe Verlierer des WM-Kampfs von 1951, David Bronstein, kam auch in Zürich auf den zweiten Platz.

Anschliessend schrieb er mit dem Turnierbuch sein erstes Schachbuch überhaupt. Und so ist es umso bemerkenswerter, dass es 1982 bei einer Umfrage des 'British Chess Magazine' nach dem 'besten Schachbuch' auf den – ja genau! – auf den zweiten Platz kam.

Neben lebendigen Schilderungen der Turnierereignisse aus der Sicht eines Teilnehmers, enthält es alle 210 Partien, knapp die Hälfte ausführlich kommentiert, wobei des Autors Hauptaugenmerk auf Analyse und Erläuterung der Mittelspiele gerichtet war.


Beste Grüsse

Volker
Parent - By Peter Martan Date 2026-08-30 20:24 Edited 2026-08-30 21:05
Danke für die die viele Arbeit, die du dir da gemacht hast.
Christian Bartsch schrieb:

Was sind denn nun die Fragen an Stockfish und Co?
Wer aufmerksam gelesen hat, der ahnt meine Gedanken. Führt das Damenopfer in der Variante nach 24. e5 Lf5 25. exf6 wirklich zum Sieg?
Ist das Schlagen des e4 Bauern im 12. Zug tatsächlich ein Verlustzug?

Auf die 2 Fragen hab' ich SF und Lc0 2 Partien spielen lassen, sozusagen mit Farbwechsel, nach 12...Sfxe4? die (auf dieser Hardware) etwas schwächere Engine Lc0 mit Weiß, nach 24.e5 die etwas stärkere mit dieser Farbe. Beides beweist natürlich nicht, dass nach der ersten Abweichung schon zwingend Schwarz verliert, und nach 25.e5 das Remis schon gesichert ist, eine Spur mehr Beweislast hat es hingegen vielleicht doch, als 2 gleiche Ergebnisse mit vertauschten Farben jeweils auch wieder für sich allein hätten, weil da dann halt die etwas schwächere aus der Nachteilsstellung und die etwas stärkere aus der ausgeglichenen spielend, die ohnehin zu erwartenden Ergebnisse noch wahrscheinlicher machen würden.

Event:
Ort:
Datum:

Weiss:
Schwarz:

Ergebnis
Board


Hardware- TC war 28 Threads der 16x4.3GHz- CPU (damit Pondern möglich war) mit 4G Hash gegen die RTX 5070 GPU und 15'+5". Im Shredder- GUI war Aufgeben und Remis Anbieten erlaubt, beim Remis hab' ich das manuell beim 7Steiner gemacht.
Die beiden Partien in einer gemeinsamen .pgn, die beim 12. Zug abweichende zweite und die Rechenzeiten und Evals mit Zitieren oder C8.
Die Evals beginnen jeweils dort, wo eine Engine das erste Mal von einer vorgegeben Variante abgewichen ist, erste Vorgabestellung war 12...Sfxe4?, zweite 25.e5.
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