1. Miniduell mit Ulrich HaugMeine Weißpartie
nach seinem 4. ... d6 sah ich eine Chance ins Allgaier-Gambit zu wechseln.
Es war daher meine Pflicht den weit besseren Zug 5. d4 zu verwerfen.
Obige Position ist fast zwangsläufig entstanden und zeigt, das das Allgaier-Gambit
wahrscheinlich nur noch für Nahschach taugt. Denn 13. Ld2, wie geschehen, widerspricht sämtlichen
romantischen Angriffsideen die die Eröffnungsvariante charakterisieren.
Ich habe in diese Stellung viel Zeit investiert, weil ich außerdem feststellte, das der Mensch sich
von der KI leiten lässt. Vielleicht ist 13. Tf1 oder gleich 13. e5 eine Alternative, aber ob sie langfristig
das Opfer rechtfertigt ist genauso unwahrscheinlich wie die Partiefortsetzung.
15. Se2 ist vielleicht der entscheidene Fehler, aber ich wollte meinen Läufer auf die Diagonale a1-h8 überführen
und auf keinen Fall den Springer abtauschen, weshalb ich den Zug 15. Sd5 verwarf.
meine Damenflügelbauern gaben mir ausreichend Hoffnung mich wieder zu motivieren. Hier glaubte ich tatsächlich wieder eine Chance auf das Remis zu haben, aber Ulrich spielte stoisch, eisern wie Petrosjan oder Karpov und verbesserte Zug um Zug seine Stellung bis sie für mich unhaltbar wurde.
natürlich sah ich schon lange vorher das ich auf verlorenen Posten stand, aber nach nicht zu verhindernden Springertausch ist es nur eine Quälerei für beide Seiten, auch wenn Ulrich überrascht von meiner plötzlichen Aufgabe schien.
Meine Schwarzpartie
nachdem ich als Einziger den "zweitbesten Zug" 4. ... d5 spielte fanden wir uns in diesem Diagramm wieder.
13. ... f5 war auch möglich, aber ich wollte "konservativ" meine Entwicklung beenden.
die taktisch scharfe aber immer gleichstehende Phase war nun vorbei und ich begann im folgendem Endspiel
mich ein wenig zu amüsieren. Ich schickte meinen König auf die Reise ins gegnerische Lager, Ulrich hat
es hoffentlich ebenfalls mit Humor genommen, denn der König war selbstverständlich nie in Gefahr.
wir kämpften vergeblich bis zur letzten Patrone
2. Miniduell mit Volkmar HöhneMeine Weißpartie
in dieser Variante ist das Springeropfer schon viel aussichtsreicher als im Allgaier-Ableger gegen Ulrich. Volkmar hat mich mit 8. ...h5 überrascht. Spielbar, natürlich, aber auch etwas riskant denke ich. Mir scheint, Volkmar hat seinen Plan zu früh geändert und die Springerüberführung nach g6 mit 14. ...d5 aus den Augen verloren.
sein Spiel im Zentrum führte zu dieser Position und ich nutzte nun konsequent meine Chance und wickelte ins Remis ab.
ich glaube beide Seiten waren ein wenig müde und so einigten sie sich auf Remis.
Meine Schwarzpartie
6. ... Sxe4 wird aktuell im Fernschach nicht so häufig gespielt, ich fand es interessant genug um in zwei Partien mein Glück zu versuchen. Gegen Volkmar versuchte ich 8. ...De7+
trotzdem Weiß seine Entwicklung abgeschlossen hat und Schwarz seinen König im Zentrum stehen läßt ist die Stellung ausgeglichen.
Eigentlich seltsam.
Remis auf Vorschlag von Schwarz. Auch hier spielt die Engine eine Rolle, die ein "steinernes Remis" in allen fünf best-moves Varianten mit 0.00 angibt. Ist der Mehrbauer wirklich nicht zu verwerten?
3. Miniduell mit Rainer MaikowskiMeine Weißpartie
nach der Partie gab Rainer zu, die Züge verwechselt zu haben. Wir brauchen also nicht über den Wert von 5. ...d6 gegenüber 5. ... Dh4+ diskutieren.
nach der Partie entflammte eine kleine Diskussion, ob 9. Sa3 nicht durch 9. Le2 zu ersetzen wäre um den Vorteil zu halten. Rainer schickte mir eine lange Variante, die ich ihm bis heute nicht beantwortet habe. Ich habe sie eine Weile studiert, denke aber auch dort könne Schwarz Abweichungen finden und die Partie halten. Aber mit viel mehr Blut und Tränen als nach 9. Sa3 zugegebenermaßen.
Der Anziehende wählt 16. Lb3 statt 16. Sd3 und vergibt seine letzte Chance. Den Abtausch Springer gegen Läufer braucht Weiß wohl nicht fürchten.
Egal ob 30. Sf3 oder 30. Sd3 bzw. 30. Kg2 der weiße Vorteil im Fernschach ist dahin. Der f-Bauer steht zu weit vorn und kann nicht verteidigt werden, daher Remis.
Auch in dieser Variante nach dem Turmtausch 33. Tg1 statt 33. Te6 mag Weiß noch etwas besser stehen, aber ein Sieg ist wegen baldigen Eroberung des Bauern f6 unwahrscheinlich.
Meine Schwarzpartie
ich höre den Leser lachen... was? die lange Peitsche hast du gespielt?
doch der Springer auf h6, der in alten Theoriewerken mit Misstrauen betrachtet wird, ist gar nicht so schlecht.
15. d5 ist ein guter alternativer Weg.
bis zum Dauerschach gab es auch hier ein paar taktische Fallstricke. Im Fernschach ist es einfach nach dem Gabelschach auf c2 den Ta1 stehen zu lassen oder die Qualität zurückzugeben mit 25. ...Ke7
Mein Miniduell mit Peter MartanMeine Weißpartie
Diese Position kennen auch Volkmar und Ulrich. Aber in ihrer Partie setzt Ulrich mit 17. ...Dxg4 fort. Trotzdem, auch dort endet das Spiel unentschieden.
29. c5 eine Idee die ich erst seit ein paar Monaten verstehe. Also lernt Hans doch noch dazu und wird Hänschen übertreffen.
Meine Schwarzpartie
nachdem ich in dieser Partie also mit 8. ... Sxh1 fortgesetzt und nicht auf e7 das Schach gegeben habe, wie in meiner Partie gegen Volkmar, folgten wir beide der Theorie bis zu diesem Punkt. 16. ... d6 ist eine bekannte Fortsetzung während das gleichwertige 16. ... Te8 nicht im Fritz20 Buch steht. Also versuche ich es, ohne zu schauen ob es vergleichbare Partien in der Online-Datenbank gibt. Mit 18. ...Sd4 weiche ich weiter d6 aus, keine Ahnung ob das klug war.
auch hier ist das Schlagen auf a1 ein Fehler, ein Fehler der zu Hause am PC schneller erkannt wird als beim Nahschach. In dieser Partie ist der Tausch eher unklar, bei Rainer wäre die Partie bereits verloren gewesen.
es ist für mich immer noch schwer zu glauben, das Schwarz den "scheinbaren Materialvorteil" nicht umsetzen kann. Ja ich sehe die Aktivität der Dame gegen meinen König, dennoch...
ich gebe zu, ich war leicht frustriert als ich Peter´s Remisangebot hier akzeptieren mußte.
Schlußbetrachtung:Ich habe versucht in allen Partien relativ schnell unterschiedliche Positionen zu bekommen fern des Mainstream. Es wäre unfair eine Partie den anderen gegenüber hervorzuheben und auch wenn es so scheint, haben mir alle Spiele großen Spaß bereitet. Auch mit meinem Ergebnis von 3,5 aus 8 bin ich zufrieden, da ich der Underdog in dem Feld war. Ursrünglich wollte ich das Turnier betrachten und einzelne Partien herausgreifen, aber ich denke, wenn Interesse besteht, sollten die Teilnehmer selbst ihre Partien vorstellen und zur Diskussion stellen. Besonders gern ( 7mal ) wurde
diese Variante aufs Brett gebracht. Dicht gefolgt von der Alternative 6. ... Sf6 ( 5mal ) statt eben 6. ... d6. Aber ob das im Sinne des ursprünglichen Königsgambit steht, sei dahingestellt. Ich hoffe, die Rückeroberung des Bauern ist nur eine Modeerscheinung und verschwindet bald wieder zu Gunsten der alten Fortsetzungen.
Am Ende möchte ich es nicht versäumen Ulrich zu seinem überzeugenden Gesamtsieg zu gratulieren. Außerdem möchte ich mich bei allen Teilnehmern herzlich bedanken. Ihr habt durch eure Teilnahme mir die Möglichkeit gegeben einen würdigen Abschied von meinem einst geliebten Königsgambit zu finden. Ihr seid die Größten.
Christian
P.S. Für unbeteiligte aber interessierte Leser der Link zur PGN des Turniers.
https://www.chess-server.net/de/tour/crosstable?tourid=50633